Experteninterviews
Arbeiten 4.0 und digitales BGM

Experteninterview zu Arbeiten 4.0 und digitalem BGM

personalmanagement.info im Gespräch mit Dr. Oliver-Timo Henßler, Leiter Partnermanagement bei vitaliberty

4. November 2015

Herr Dr. Henssler, wo stehen wir aus Ihrer Sicht aktuell beim digitalen Betrieblichen  Gesundheitsmanagement, wird dies im Kontext der digitalisierten Arbeitswelt ein Muss für alle Unternehmen sein?
TH: Sowohl die Personal- als auch Gesundheitsmanager haben erkannt und spüren zunehmend, dass die Arbeitswelt sich stark gewandelt hat, dass sie mobiler geworden ist, digitaler ebenso. Immer mehr Mitarbeiter „tragen ihren Arbeitsplatz an diverse Lokationen“, es gibt in einigen Bereichen eine starke Entgrenzung zu den alten Arbeitswelten. Fazit: die Unternehmen merken, dass sie Arbeitnehmer bei Detailaufgaben anders erreichen müssen. Was nun das digitale BGM betrifft, es ist ein wichtiger Bestandteil des gesamten BGM Konzeptes, darf jedoch nicht alleine stehen, dann funktioniert es nur bedingt. Gutes Gesundheitsmanagement muss Klassik und Digitales integrieren. Die Vernetzung von traditionellem BGM mit digitalen Tools und Services ist ganz klar der richtige Weg, der zu mehr Akzeptanz und Effizienz im BGM führt. Letztendlich: Wer die Digitalisierung im Unternehmen lebt und vorantreibt, für den ist digitales BGM eine hervorragende Chance, denn die Infrastruktur und Basis für die Kommunikation mit den Mitarbeitern ist schon gegeben und kann/muss genutzt werden um alle zu integrieren und anzusprechen. 

Sie leiten seit kurzem den Bereich des Partnermanagements bei vitaliberty. Welche Ziele verfolgen Sie bei der Auswahl der Partner?
TH: Im Fokus stehen unbedingt qualitativ hochwertige Anbieter. Das Ziel des Partnermanagements ist es natürlich, mit den besten Anbietern auf dem Markt gemeinsam integrierte Lösungen zu erarbeiten. Hier geht es nicht nur um klassische Marktführer, sondern wir schauen sehr genau auf innovative Firmen, die weiter denken und mit denen wir neue wegweisende Strukturen für Konzerne, Mittelstand, Gesundheitsdienstleister und Behörden gleichermaßen entwickeln. Wir nehmen die Auswahl der neuen Partner sehr ernst, setzen uns mit allen interessanten Firmen und Dienstleistern zusammen, um diese Potentiale auszuarbeiten.

Wie misst man Qualität im BGM? 
TH: Hier muss man fragen: was bedeutet Qualität im Detail? Jeder HR-Manager, jeder Gesundheitsmanager wird dies anders beantworten. In der Praxis sind die wenigsten Unternehmen mit den Teilnahmequoten an Gesundheitsprogrammen rundum zufrieden. Das ist ein praktisches Problem, wie viele Mitarbeiter erreiche ich mit kurzfristigen konkreten Angeboten? Es fehlt zudem häufig an niedrigschwelligen Lösungen. Erfolgreich ist ein BGM nämlich dann, wenn es viele Mitarbeiter erreicht und wenn man es schafft, bei der Belegschaft eine Bewusstseinsänderung, eine neue Qualität in der Einstellung zu Gesundheitsfragen herzustellen.

Was ist wichtig, wenn über Kennzahlen gesprochen wird?
TH: Es fallen sofort die Stichworte Gesundheitsindex, Vorgaben vom Gesetzgeber, sicher. Das verlässlichste Instrument ist allerdings die Mitarbeiterbefragung. vitaliberty liefert mit dem moove Ansatz die gleichermaßen praktikable wie auch wissenschaftliche Basis, aus der viele Maßnahmen gezielt abgeleitet werden. Das Besondere ist hier, dass neben dem Unternehmensbericht  jeder einzelne Teilnehmer  eine individuelle Auswertung des subjektiv empfundenen eigenen Gesundheitszustandes in die Hand bekommt Ich kenne noch sehr viele Unternehmen, wo diese Befragungen zwar auch stattfinden, aber erst nach Monaten die Auswertung auf dem Tisch landet. Dann weiß meist keiner mehr, was genau befragt wurde und mit der Ableitung von zielführenden Aktionen ist es ähnlich. Das ist schade, weil Zeit, Motivation und Potential verschenkt wird. Und genau an dieser Stelle plädiere ich dann auch wieder für die digitalen Tools im BGM.

Arbeiten 4.0 - wird das überbewertet?
TH: Viele Firmen, die im Dienstleistungsbereich aktiv sind, sind schon in der 4.0. Welt angekommen. Das heißt aber gleichzeitig auch, dass Entgrenzung, Flexibilisierung neue Herausforderungen mit sich bringen. Vom Büro direkt nach Hause zu gehen und dann ABSCHALTEN zu können, klappt nicht immer gleich gut. Das ist eine Riesenherausforderung, bewusster mit den eigenen Ressourcen umgehen zu lernen. Und unsere reale Welt sieht auf der anderen Seite auch immer noch so aus, dass viele Unternehmen mit der Einführung digitaler Tools warten, bis es nicht mehr anders geht. 

Was ist die häufigste Frage eines BGM Managers, wenn er auf digitales BGM angesprochen wird?
TH: Hier kommt sofort Frage zur Nachhaltigkeit. Wie lässt sich digitales BGM in bestehende Konzepte integrieren.

ZUR PERSON

Dr. Oliver-Timo Henssler bringt mehr als 11 Jahre fundierte Erfahrung im Gesundheitsmanagement mit. Er hat 2004 die erste deutschlandweite Studienreihe zum Gesundheitsmanagement initiiert und ab 2008 als Projektleiter mit seinem Team den Corporate Health Award und das Corporate Health Audit sowie ab 2010 den Deutschen Bildungspreis ins Leben gerufen. Der studierte Politikwissenschaftler hat seit 2012 als Geschäftsführer die Forschungs- und Beratungsaktivitäten bei EuPD Research Sustainable Management gesteuert, war vor seinem Wechsel zu vitaliberty als Leiter Prävention bei der Siemens Betriebskrankenkasse tätig. Dr. Henssler leitet seit Herbst 2015 das Partnermanagement bei der Mannheimer vitaliberty GmbH.